
Können Sie zunächst „Et Pk Pas ?“ und Ihre Aktivitäten vorstellen?
„Et pk pas ?“ ist ein in Genf ansässiger, als gemeinnützig anerkannter Verein, der die demokratische Teilhabe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen stärken möchte. Zu diesem Zweck organisieren wir vor jeder Abstimmung Diskussionsabende – moderiert von jungen Menschen für junge Menschen (18–25 Jahre). Viermal im Jahr bieten wir 50 solcher Abende im gesamten Kanton an, das sind 200 pro Jahr. Darüber hinaus arbeiten wir derzeit an der Gründung eines „Hauses der Demokratie“ in Genf, das sich speziell an junge Menschen richtet und im Herbst 2026 eröffnet werden soll.
Sie haben 2025 auf Make.org eine große Bürgerkonsultation für junge Schweizerinnen und Schweizer gestartet mit der Frage: „Wie können wir die Dienstpflicht in der Schweiz für alle neu gestalten? (Armee, Umweltschutz, Seniorenhilfe, Zivilschutz...)“. Was haben Sie angesichts der großen Begeisterung für diese Initiative empfunden? (13.946 Teilnehmende, 360 Vorschläge, 107.271 Abstimmungen)
Große Zufriedenheit und sogar Stolz. Ursprünglich hatten wir mit 6.000 bis 8.000 Teilnehmenden gerechnet. Dass wir diese Zahl verdoppeln konnten, war ein unerwartetes Ergebnis. Für Schweizer Verhältnisse ist das eine herausragende Leistung, die zeigt, dass dieses Pilotprojekt echten Erwartungen entsprochen hat.
Haben Sie bestimmte Vorschläge und Antworten der Bürgerinnen und Bürger überrascht? Gab es Ergebnisse, mit denen Sie überhaupt nicht gerechnet hätten?
Die Debatte entsprach ziemlich genau dem, was man während der Kampagne für oder gegen die Initiative „Bürgerdienst“ gehört hat, über die das Schweizer Volk am 30. November 2025 abgestimmt hat. Es ist ein sehr umstrittenes Thema, was sich sowohl in den Vorschlägen als auch in den Antworten gut widerspiegelt. Letztendlich war diese Konsultation eine Online-Erweiterung der öffentlichen Debatte, die zur gleichen Zeit stattfand.
Glauben Sie, dass die Ergebnisse dieser Konsultation die Debatte über die Dienstpflicht in der Schweiz voranbringen werden? Insbesondere bei den politischen Institutionen, den Bürgerinnen und Bürgern oder bei anderen spezifischen Akteuren?
Das bleibt zu hoffen. Die Ergebnisse zeigen jedenfalls, dass die Debatte offen bleibt und daher weitergeführt werden muss. Bei der Frage des Zivildienstes – eine relativ neue Errungenschaft aus dem Jahr 1996, die jedoch durch immer stärkere Einschränkungen infrage gestellt wird – wird die Diskussion zwangsläufig weitergehen, da gegen diese Einschränkungen das Referendum ergriffen wurde. Die Konsultation hat gezeigt, dass 67 % der jungen Menschen den Zugang zum Zivildienst erleichtern und dessen Nutzen stärken wollen. Wir hoffen, dass die politischen Akteure dieses prägnante Ergebnis zur Kenntnis genommen haben.
Jugendliche und Frauen befürworten tendenziell Ideen, die sich auf Inklusion, die Vereinbarkeit des Dienstes mit der eigenen Lebensplanung, die Diversifizierung der Dienstbereiche und die Stärkung von Wahlfreiheit und Freiwilligkeit konzentrieren. Hat Sie das überrascht, und wie können diese Aspekte Ihrer Meinung nach die Debatte voranbringen?Die „Gen Z“ hat gesprochen! Es gibt ein starkes Spannungsfeld zwischen dem Konzept der Dienstpflicht und dem Wunsch nach einem sinnvollen Engagement, das auf freier Wahl beruht. Genau das ist der Kern der Debatte. Die Stimme dieser jungen Menschen muss auf politischer Ebene Gehör finden. Sonst besteht die Gefahr, dass der Dienst – eigentlich ein edler Gedanke in einer zunehmend individualistischen Gesellschaft – nur noch als lästige Pflicht wahrgenommen wird und seinen Sinn verliert.
Planen Sie, diese Verbindung zu den Bürgerinnen und Bürgern auch nach der Konsultation aufrechtzuerhalten? Und wenn ja, wie?
Wir sind ein lokaler Akteur in der Schweiz, wo der Föderalismus ein Handeln auf nationaler Ebene oft schwierig macht. Bei dieser Konsultation haben sich 14.000 Personen in den drei wichtigsten Landessprachen geäußert. Unser Ziel war es unter anderem, zu zeigen, dass das Instrument der Online-Konsultation gerade bei der Jugend eine sinnvolle Ergänzung ist, um ihre Teilnahme am öffentlichen Diskurs zu fördern. Auch wenn uns als Verein die Kapazitäten fehlen, um uns als nationaler Akteur zu etablieren, haben wir dieses Pilotprojekt genutzt, um zahlreiche Kontakte zu anderen Vereinen in der ganzen Schweiz zu knüpfen. Das ist ein wertvoller Pluspunkt, um die demokratische Debatte auch in Zukunft weiter zu beleben.
Zum Abschluss: Was hat Make.org zu diesem Projekt beigetragen? Sind Sie mit der Begleitung durch das Team zufrieden?
Wir hatten das Vergnügen, mit einem sehr professionellen Team zusammenzuarbeiten, das über ein Tool verfügt, dessen Leistungsfähigkeit wir erst richtig kennengelernt haben. Das Ergebnis hat uns sowohl quantitativ als auch qualitativ von der Sinnhaftigkeit dieses Ansatzes überzeugt. Im Rahmen einer halbdirekten Demokratie, in der die öffentliche Debatte für die Meinungsbildung unerlässlich ist, macht das von Make.org angebotene Tool absolut Sinn, um junge Menschen in das demokratische Leben einzubinden.
Entdecken Sie die Ergebnisse der Konsultation hier.